Mitternacht

SChrecken / und Stille / und dunckeles Grausen / finstere Kaelte bedecket das Land
Itzt schlaefft was Arbeit und Schmertzen ermuedet / diß sind der traurigen Einsamkeit Stunden.
Nunmehr ist / was durch die Lueffte sich reget / nunmehr sind Menschen und Thire verschwunden.
Ob zwar die immerdar schimmernde Lichter / der ewig schitternden Sternen entbrant!
Suchet ein fleissiger Sinn noch zu wachen? der durch Bemuehung der kuenstlichen Hand /
Ihm / die auch nach uns ankommende Seelen / Ihm / die an itzt sich hir finden verbunden?
Wetzet ein bluttiger Moerder die Klinge? wil er unschuldiger Hertzen verwunden?
Sorget ein Ehren-begehrend Gemuette / wie zu erlangen ein hoeherer Stand?
Sterbliche! Sterbliche! lasset diß dichten! Morgen! Ach Morgen! Ach muß man hinzihn!
Ach wir verschwinden gleich als die Gespenste / die umb die Stund uns erscheinen und flihn.
Wenn uns die finstere Gruben bedecket / wird / was wir wuendschen und suchen zu nichte.
Doch / wie der glaentzende Morgen eroeffnet / was weder Monde noch Fackel bescheint:
So / wenn der ploetzliche Tag wird anbrechen / wird was geredet / gewuercket / gemeynt.
Sonder vermaenteln eroeffnet sich finden vor des erschrecklichen GOttes Gerichte.

Andreas Gryphius

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