Abend

DEr schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn /
Und fuehrt die Sternen auff. Der Menschen muede Scharen
Verlassen Feld und Werck / wo Thir und Voegel waren
Traurt itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit verthan /
Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glider Kahn.
Gleich wie diß Licht verfil / so wird in wenig Jahren
Ich / du / und was man hat / und was man siht / hinfahren.
Diß Leben koemmt mir vor als eine Renne-Bahn.
Laß hoechster Gott / mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten /
Laß mich nicht Ach / nicht Pracht / nicht Lust nicht Angst verleiten!
Dein ewig-heller Glantz sey vor und neben mir /
Laß / wenn der muede Leib entschlaefft / die Seele wachen
Und wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen /
So reiß mich aus dem Thal der Finsternueß zu dir.

Andreas Gryphius

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